· 

Tiere und Geschenke

Weihnachten. Das Fest der Liebe. Doch alle Jahre wieder wird es zu einer Konsumschlacht. 

Besonders, wenn es um die Geschenke für die Lieben geht. Der Black Friday lädt schon Ende November zum Shoppen ein und raffinierte Werbung macht einem klar, was man für sein absolutes Glück unbedingt noch braucht. 

 

Geschenke zu kaufen macht Spaß. Am meisten, wenn es um Kinder geht  – und natürlich um unsere Haustiere. Man stellt es sich so toll vor, wie das Tier die Verpackung aufreißt und sich dann den ganzen Abend mit dem neuen Spielzeug beschäftigt. Aber hast Du das jemals so erlebt? Häufig sind unsere Freunde von dem ganzen Trubel, den Gästen, der umdekorierten Wohnung, den Gerüchen und dem veränderten Tagesablauf während der Feiertage irritiert. Kommen wir dann noch mit eingepackten Geschenken oder Ähnlichem und haben Erwartungen an sie, wird ihnen das unter Umständen schon auch mal zu viel und sie fühlen sich gestresst. 

 

Ich sehe es wirklich als Fortschritt, dass viele Tiere inzwischen als Familienmitglieder angesehen und auch so behandelt werden. Das steht ihnen nämlich absolut zu. 

 

Doch dieser Siegeszug auf die Sofas der Menschen ist ein zweischneidiges Schwert und hat natürlich auch seine Schattenseiten. 

Dadurch, dass die Tiere nun unseren Lebensraum teilen, übernehmen sie oft auch unsere Gewohnheiten. Vielmehr stülpen wir ihnen unsere Gewohnheiten über. Man kann es auch Vermenschlichung nennen. 

Das zeigt sich dann zum Beispiel an ihren Beschwerden. Genauso wie wir, werden unsere Fellfreunde mehr und mehr mit industriell hergestelltem Futter ernährt. Es gibt inzwischen sogar so verrückte Dinge wie Hundebier und Ähnliches. Naja. Die Folge sind Krankheiten, wie man sie auch bei Menschen findet: Diabetes, Arthrose, diverse Allergien und Unverträglichkeiten usw. 

Unsere Tiere bewegen sich oft auch zu wenig. So wie wir eben auch. Vor der Heizung ist es viel kuscheliger als draußen im Regen. Als ich Kind war, wurden manteltragende Hunde noch milde belächelt. Heute wird man fast schon angefeindet, wenn der Hund ohne Mantel draußen unterwegs ist. Und das bereits bei Temperaturen, die noch weit über dem Gefrierpunkt liegen. Natürlich gibt es auch hier nie nur Schwarz oder Weiß. Viele Hunde sind alt, haben keine Unterwolle, und wer den ganzen Tag vor dem Ofen liegt, der friert draußen natürlich schneller. Wirklich. Wenn ich aber den Husky bei einer Zimmertemperatur von gefühlten 25 Grad Celsius im gefütterten Mantel vor der Heizung liegen sehe, dann weiß ich auch nicht…. Nein, das ist jetzt nicht übertrieben. Ähnliches durfte ich schon erleben. 

Es gibt inzwischen so viel tolles Beschäftigungsspielzeug für Tiere, dass die Gassirunde zur Auslastung auch mal wirklich kurz ausfallen kann. Zur geistigen Auslastung reicht das vielleicht, aber auch die Muskeln wollen beansprucht, die Gelenke bewegt und das Immunsystem trainiert werden. Hier denke ich neben den Hunden auch an die Pferde, die oft viel zu viel Zeit in ihren langweiligen Boxen verbringen müssen. Dadurch erhöht sich die Verletzungsgefahr, wenn es dann einmal die Woche zum Ausritt oder zum Hundesport geht. Denn an eine vernünftige Aufwärmeinheit denkt natürlich niemand. Das ist also genau gleich wie bei uns Menschen auch. 

Und nein, ein Laufband für Hunde ist kein Ersatz für eine Gassirunde. Gerade das Laufen auf unebenem Gelände ist wichtig für den Bewegungsapparat. 

 

Immer wieder erstaunt mich auch der Trubel, der heutzutage in vielen Fällen um einen Hundegeburtstag gemacht wird. Das ist – und das finde ich interessant – ausschließlich bei den Hunden so. Oder vielleicht kommt es mir auch nur so vor. Da gibt es Geschenke, Partyhüte und Girlanden und natürlich auch eine Hunde-Geburtstagstorte. All das wird so in Szene gesetzt, dass es sich social-media-tauglich festhalten und veröffentlichen lässt. Niedliche Tierbilder bringen ja auch immer viele Likes. Ob die Tiere darauf genauso stolz sind wie ihre Menschen? 

 

Ganz ehrlich, am Anfang als Hundemami hab ich das auch so gemacht. Es gab immer einen Hackfleischkuchen mit Würstchen darauf zum Geburtstag und natürlich auch ein Geschenk. Zu Weihnachten übrigens auch. Und selbstverständlich wurden auch die Facebook-„Freunde“ über jeden Jahrestag informiert. Ob sie es nun wollten oder nicht. 

Seitdem ich aber damit begonnen habe, mit Tieren zu reden, hat sich das ziemlich gewandelt. Tatsächlich habe ich auch schon den Geburtstag meiner Hunde vergessen und auch das exakte Alter will mir nicht immer einfallen. Immer wieder braucht es dazu einen Blick in den Impfpass. Geht es ihnen dadurch heute schlechter als früher? Ich denke nicht. Im Gegenteil. Ich habe festgestellt, dass es den beiden ziemlich egal ist, ob Weihnachten ist oder Geburtstag oder sonst irgendein Feiertag. Natürlich freuen sie sich immer über etwas Leckeres zu Futtern. Dabei wird aber die social-media-taugliche Torte genau gleich gierig weggeputzt, wie die popligen Würstchen vom Metzger. „Das Auge isst mit“ mag für Menschen stimmen, zumindest meinen Hunden ist die Optik ihrer Mahlzeit aber reichlich egal. Somit gibt es etwas Besonderes, wenn ich daran denke, und nicht dann, wenn der Kalender einen Feiertag anzeigt. 

Geschenke wurden inzwischen völlig abgeschafft. Neues Spielzeug gibt es dann, wenn ich beim Bummeln etwas Nettes im Sonderangebot entdecke. Eine neue Decke dann, wenn sie gebraucht wird. Ich lass mir nicht so gerne von der Werbung vorschreiben, dass meine Fellnasen nicht mit Holzstöcken spielen dürfen und ich stattdessen einen quietschenden Plastik-Knochen inklusive gesundheitsschädlichem Weichmacher kaufen soll, der in irgendeinem fernen Land hergestellt wurde. Natürlich leugne ich nicht die Verletzungsgefahr. Aber ich sehe auch die positiven Aspekte eines Holzstocks. Das Nagen reinigt zum Beispiel die Zähne. Eventuell kann man es sich dann sparen, diese regelmäßig mit der Hundezahnbürste zu bearbeiten. Ja, ich habe auch schon Geschichten gehört, bei denen im entfernten Bekanntenkreis ein Hund wirklich an seinem Spielzeug gestorben ist. Aber die Regel ist das wohl eher nicht. Viel häufiger höre ich von Krankheiten, die dadurch entstanden sind, dass man die Tiere eben nicht mehr das tun lässt, was sie eigentlich – ohne unsere Steuerung – tun würden. 

Deshalb versuche ich auch im Alltag immer wieder Tage und Aktionen einzuschieben, die meinen Fellnasen so richtig Spaß machen. Das hab ich früher auch schon gemacht, da lag mein Fokus aber immer sehr darauf, miteinander zu trainieren um später vielleicht irgendwelche Ziele zu erreichen. Heute bin ich in dieser Hinsicht völlig ohne Leistungsdruck unterwegs. Es kann sein, dass wir ein wenig trainieren. Ich schau aber auf jeden Fall, dass sie auch Platz und Gelegenheit haben um so richtig zu rennen und zu schnüffeln. Oft sind wir echt lange unterwegs und dabei aber nur ganz wenige Kilometer gegangen. Und manchmal, da machen wir auch richtig lange Hundekuschelstunden auf dem Boden. Wir spielen oder es gibt eine Massage für jede Fellnase. Das Handy kommt dann ganz weit weg und wir lassen uns dazu so viel Zeit, dass ich anschließend Mühe hab, meine alten Knochen wieder aufzurichten. Das sind jetzt alles keine Besonderheiten, sondern Dinge, die man jeden Tag mit seinem Vierbeiner machen kann. Doch genau darin liegt das Besondere. Im Alltag vergisst man manchmal das, was so naheliegend ist. 

 

Die Antworten der Tiere aus den Tierkommunikationen zeigen es mir immer und immer wieder: Unsere Freunde wünschen sich nichts mehr, als unbeschwerte Zeit, die sie mit uns verbringen können. Sie wünschen sich glückliche Menschen. Das Schöne daran ist, dass sie unser Glück dann spiegeln. 

 

Natürlich möchte ich nun überhaupt nicht sagen, dass Du Deinen Tieren keine Geschenke machen sollst. Wenn Du Freude am Schenken hast, dann lass sie Dir auf gar keinen Fall durch diesen Artikel nehmen. Denn, wie bereits erwähnt, Dein Tier wird diese Freude auch spiegeln. Aber vergiss nicht, dass ihm vermutlich die gemeinsam verbrachte Zeit sehr viel wichtiger ist, als jedes Präsent. Gerade in diesem Jahr, in dem das Geld an der einen oder anderen Stelle vielleicht etwas knapp ist, kann man an den materiellen Gaben für unsere Fellfreunde ganz wunderbar sparen. Sie nehmen es Dir nicht krumm, wenn sie kein Päckchen bekommen, sondern freuen sich umso mehr, über jede gemeinsame Spielstunde, Gassirunde, oder ganz einfach, über Zeit und Erlebnisse, zusammen mit Dir. 

 

Bestimmt kennst Du die Worte von Albert Schweitzer „Glück ist das Einzige, das sich verdoppelt, wenn man es teilt.“ Nirgendwo können wir den Wahrheitsgehalt dieser Worte so erfahren, wie im Zusammenleben mit unseren Tieren. 


Dieser Artikel ist auch als Podcast-Folge verfügbar: 

Kommentar schreiben

Kommentare: 0