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Als Frau alleine mit Hund unterwegs

 

Ist es gefährlich, als Frau alleine mit Hund unterwegs zu sein? Meine Antwort auf diese Frage lautet ganz klar: „Jein“.

 

Denn natürlich ist es immer riskanter, alleine unterwegs zu sein, als zu zweit oder in einer Gruppe. Niemand kann einem im Notfall helfen oder Hilfe holen. Zudem müssen wir nicht nur auf uns selbst achtgeben, sondern haben auch noch unsere vierbeinigen Freunde dabei, um deren Wohl wir uns ebenfalls kümmern müssen – auch wenn wir selbst erschöpft sind und unser Limit eigentlich schon erreicht haben. 

 

Diese Dinge gelten aber nicht nur für Frauen, sondern für jeden, der sich dafür entscheidet, ohne Begleitung unterwegs zu sein. Wenn ich mich mit Männern unterhalte, stelle ich oft fest, dass sie genauso auf ihre Sicherheit bedacht sind, wie ich. Und – ganz ehrlich – vor Verbrechen jeglicher Art sind wir alle nicht sicher. Vorsicht und überlegtes, der Situation angepasstes Handeln sind immer wichtig. Ein wenig Anspannung erhöht die Achtsamkeit, was durchaus ein Vorteil sein kann. Zudem ist es ganz normal, vor einer Reise etwas nervös zu sein. Vor allem, wenn man Dinge ausprobiert, die man zuvor noch nie gemacht hat. Wenn die Angst allerdings zu groß ist und einen sogar lähmt, sollte man sich vielleicht lieber ein anders Urlaubsziel oder eine andere Aktivität überlegen. Denn schließlich möchte man sich in der Freizeit ja auch entspannen und erholen. 

 

Bei einem Hotelaufenthalt hat man hauptsächlich das Risiko, ausgeraubt zu werden. Hier ist es natürlich ein klarer Vorteil, wenn eine vierbeinige Alarmanlage das persönliche Hab und Gut bewacht. Auch ein kleiner Hund kann einen gewaltigen Krach machen und einen Einbrecher in die Flucht schlagen. So kann man sich sicher fühlen, solange man seinen Vierbeiner an der Seite hat. Auch im Aufzug oder in der Tiefgarage fühlt man sich in Begleitung eines Hundes meistens relativ beschützt.  

 

Ich erinnere mich hier an eine Situation, in der ich ohne jegliche Begleitung in Barcelona war. Mein Hotel war direkt an der belebten Straße La Rambla gelegen. Um meinen Rückflug um 6 Uhr morgens zu erreichen, musste ich mitten in der Nacht aufbrechen. Als ich gerade mit gepackter Tasche mein Zimmer verlassen wollte, klopfte es plötzlich an der Tür. Laut und deutlich. In dieser Situation habe ich meine Hunde wirklich sehr vermisst. Zum Glück ist mir dann im Flur absolut niemand begegnet und es war auch sonst alles ruhig.

 

Auch ein Stadtbummel ist natürlich mit einem vierbeinigen Begleiter an der Seite immer sicherer als alleine. Dafür muss man dann eventuell in Kauf nehmen, nicht jedes Museum besuchen zu können. Auch das Shopping-Erlebnis ist mit tierischer Begleitung oft ein wenig eingeschränkt.

 

Interessanter wird es, wenn man in der Natur unterwegs ist. Beim Wandern oder Camping. Immer wieder lese ich von Frauen, die sich nachts alleine im Wohnmobil auf dem Campingplatz fürchten – trotz Hund.

 

Ich denke, dass hier jeder seine persönliche Komfortzone hat. Und, wie schon gesagt, wer echte Angst hat, sollte vielleicht lieber etwas anderes tun. Wir wollen Spaß haben und sind nicht unterwegs, um irgendjemandem irgendetwas zu beweisen. In einem geschlossenen Wohnmobil kann man bestimmte Sicherheitsmaßnahmen ergreifen. So kann man zum Beispiel die vorderen Türen so sichern, dass sie in der Nacht nicht von außen geöffnet werden können. Früher haben wir hierzu ganz einfach die Türgriffe von innen mit einem Spanngurt zusammengebunden. Solche Dinge geben einem Sicherheit und helfen, entspannter zu schlafen. Unsere Hunde sind prima Alarmanlagen und die nächsten Nachbarn auf einem Campingplatz auch nicht weit entfernt, so dass man in der Regel nie alleine dasteht, falls man einmal Hilfe braucht. 

 

Ein wenig anders ist es dann schon, wenn man mit Zelt und Hund unterwegs ist. Aber auch in dieser Konstellation habe ich mich bisher auf einem Campingplatz noch immer sicher gefühlt. Zu diesem Thema möchte ich gerne eine meiner Erfahrungen mit dir teilen.

 

Ich war nach jahrelanger "Zeltpause" mit meinen beiden Hunden im Schwarzwald unterwegs. Ein Wochenende, zwei Wanderungen, eine Übernachtung. Ich wollte mein neues Zelt testen und schauen, ob alles so funktioniert, wie ich es mir vorgestellt habe. Natürlich hatte ich etwas Bedenken. Ist das nicht gefährlich? Meine Einschätzung war: Eigentlich nicht. Somit sind wir also losgezogen. Auf dem Campingplatz haben wir ein traumhaftes Plätzchen mit Sicht auf den Titisee erwischt und ich war glücklich. Allerdings war der Platz in unserem Bereich nicht eingezäunt und wir zelteten direkt am Rand des Geländes und an einem Weg. Das war zwar unglaublich praktisch, weil ich mit den Hunden direkt zur Gassirunde in den Wald gehen konnte. Aber ich habe es auch als ein wenig unheimlich empfunden. Wir sind am Nachmittag auf dem Campingplatz angekommen. Im Laufe des Abends hat sich der Platz gefüllt und neben meinem kleinen Zelt standen bald noch zwei weitere 1-Personen-Zelte. Wir waren dann drei alleinreisende Frauen mit Zelt in einer Reihe. Ich war die Einzige von uns, die Hunde dabei hatte. Da war ich dann wirklich erleichtert, musste innerlich laut über mich selbst lachen und dachte mir, dass ich mich doch eigentlich von uns allen am wenigsten zu fürchten brauche. Denn im Gegensatz zu den anderen hatte ich zwei vierbeinige Alarmanlagen mit dabei. Seitdem bin ich wesentlich cooler geworden. Wovor es mir aber nach wie vor ein wenig graust, ist, wenn die Hunde nachts ungeplant pinkeln müssen. Das ist mir bisher zum Glück noch nicht passiert, kann aber noch kommen. Vermutlich wird aber auch diese Situation dann nur halb so wild werden wie gedacht.

 

Eine ganz tolle Sache für die Übernachtung auf dem Campingplatz – egal ob im Zelt oder Camper – ist übrigens ein Steckzaun. Der ist schnell und einfach rund um das mobile Eigenheim aufgebaut und gibt einem Sicherheit. Denn im Dunkeln sind diese Zäune meistens schlecht zu sehen. Wer sich unbefugt nähert, wird sich also vermutlich erstmal im Zaun verheddern und dabei entsprechend laut sein, so dass zumindest die Hunde anschlagen und man selbst auch wach wird. Wer keinen Zaun aufbauen möchte, kann eine Schnur oder etwas Ähnliches als Stolperfalle verwenden.

 

Je nachdem, was man plant, sollte man natürlich ein paar Vorsichtsmaßnahmen ergreifen. Ich informiere immer mindestens eine Person ganz genau über meine Pläne, sage ihr, was ich vorhabe und wo ich bin. Wir vereinbaren manchmal auch genau, zu welchen Zeiten ich mich melde. Manchmal haben wir auch schon besprochen, dass ich eine bestimmte Nachricht schicke, falls ich mich in einer Notlage befinde. Auch wenn es vielleicht unwahrscheinlich ist, dass man in so einer Situation die Zeit oder die Möglichkeit hat, Nachrichten zu verschicken, so gibt es einem doch ein Gefühl von Sicherheit. Und wer sich sicher fühlt, der strahlt das auch aus und wird somit automatisch eher weniger das Ziel von Angriffen. 

 

Zum Schutz vor wilden Tieren (für andere Dinge darf es nicht verwendet werden), habe ich Pfefferspray dabei und im Normalfall auch ein Taschenmesser. Ich bezweifle zwar sehr stark, dass mir das zu meiner persönlichen Verteidigung irgendetwas bringen würde, dafür bin ich viel zu schusselig, aber es gibt mir Sicherheit. Und, wie schon erwähnt: Wer sich sicher fühlt, der strahlt das auch aus.

 

Ganz wichtig ist mir auch immer, nachts eine Lampe griffbereit zu haben. Nichts ist schlimmer, als mit Angst im Dunkeln zu sitzen. Bisher habe ich sie zum Glück noch nicht für den Ernstfall benötigt – außer man möchte die Situation, in der Buddy sich nachts im Zelt übergeben musste, als Ernstfall bezeichnen. Da ich in diesem Moment unglaublich schnell war (ich glaube jeder Hundemensch weiß, auf welche sensationelle Geschwindigkeiten wir beim Geräusch „kotzender Hund“ kommen können) und die Lampe sofort griffbereit hatte, ging das Ganze glimpflich aus. Kleidung, Schlafsack und Hundedecken blieben verschont, und ich konnte das Erbrochene ganz bequem mit einem Tuch vom Zeltboden aufwischen.

 

Mir ist es auch schon passiert, dass ich an sehr einsamen Stellen gezeltet habe und dort wirklich alleine war. In diesen Nächten war ich sehr dankbar für meine Stirnlampe. Diese habe ich die ganze Nacht auf dem Kopf gelassen. Das war nicht wirklich störend und ich hatte bei Bedarf schnell Licht. Übrigens gibt es bei vielen Stirnlampen die Möglichkeit, Rotlicht zu verwenden. Das hat den Vorteil, dass man andere nicht blendet. Zudem wird das Rotlicht auch von Tieren als weniger störend empfunden. 

 

Dann ist da noch die Sache mit den Wertsachen. Wertsachen sind für mich immer die Dinge, bei denen ich ein großes Problem hätte, wenn sie abhanden kommen. Also Geldbeutel mit EC-Karte, Ausweis, Führerschein, Krankenversichertenkarte, Smartphone und Autoschlüssel. Gegebenenfalls auch ein Zug- oder Flugticket für die Heimreise. Diese Sachen lasse ich tagsüber nie alleine und trage sie - wenn möglich - immer möglichst nah am Körper. Nachts lagere ich sie im Zelt immer so, dass ein potentieller Angreifer auf jeden Fall an den Hunden und / oder an mir vorbei muss, um sie zu erreichen.

 

Ganz sicher gibt es noch viel mehr hilfreiche Tipps für die sichere und angstfreie Übernachtung im Zelt. Da ich selbst grundsätzlich in ungefährlichen Gegenden unterwegs bin, bin ich auf die beschriebene Art bisher immer sehr gut klargekommen. Eine Sache wäre da noch: Suche dir sichere Gebiete für deine Übernachtungen aus – auch wenn du einen oder mehrere Hunde mit dabei hast. Meide Stellen, an denen du einfach und unbemerkt verschwinden könntest. Schlage dein Zelt also nicht unbedingt in der Nähe von Autobahnen oder stark befahrenen Fernstraßen auf.

 

Aber nicht nur nachts gibt es Dinge, die man beachten sollte. Auch bei Unternehmungen am Tage kann man die eine oder andere Vorsichtsmaßnahme ergreifen.

 

So habe ich zum Beispiel immer eine Trillerpfeife mit dabei. Das ist einfach und kostengünstig. Die trage ich nicht im Rucksack, sondern immer irgendwo direkt „am Mann“, so dass ich sie auf keinen Fall verlieren kann. Man weiß nie, was passiert, aber selbst, wenn mich nach einem Sturz oder Unfall alle Kraft verlassen hat und ich schwer verletzt bin, so habe ich hoffentlich immer noch die Möglichkeit, mit Hilfe der Pfeife auf mich aufmerksam zu machen, sofern ich noch bei Bewusstsein bin.

 

Je nachdem, wo ich unterwegs bin und was ich mache, nehme ich oft einen Wanderstock mit. Ich mag keine Walkingstöcke, denn mit zwei Hunden an der Leine habe ich schon beide Hände voll. Aber ein stabiler Wanderstock gibt mir Halt bei unebenem Gelände oder wenn wir ab und an einen Bach durchqueren müssen. Zudem kann er zur Verteidigung eingesetzt werden.

 

Um sich nicht irgendwo im Wald zu verlaufen gibt es auch einige technische Hilfsmittel. Zum Beispiel eine Wanderapp für das Smartphone. Allerdings hat man in der Natur nicht immer und überall ein gutes Netz. Daher kann es von Vorteil sein, wenn man mit einem Kompass umgehen kann oder ein GPS-Gerät mit dabei hat. Wer mag, kann auch im Auto, das vermutlich irgendwo geparkt ist, einen Zettel mit der geplanten Route hinterlegen. Wenn dann in einem Notfall das Fahrzeug gefunden wird, wissen Helfer zumindest, wo sie suchen müssen. 

 

Für mich gibt es inzwischen eine knallharte Regel: Egal, welchen Ausflug ich plane, ich vermeide es tunlichst, vor dem Start nach Katastrophenberichten im Internet oder in der Zeitung zu suchen. Denn man wird immer Artikel über Verbrechen oder Unfälle finden, die einem dann ganz schnell den Spaß an der Sache vermiesen können.

 

Auch wenn ich mich hier nun vielleicht ganz selbstsicher und mutig anhöre, auch ich habe manchmal etwas Bammel, wenn ich mal wieder neue Dinge ausprobiere. So zum Beispiel bei meinem ersten Outdoor Abenteuer mit Zelt und Hund. Kurz nach der Buchung meiner Übernachtungen habe ich von einer Leiche gelesen, die nur wenige Wochen zuvor nicht allzu weit von meinem Übernachtungsplatz entfernt gefunden worden war. Auch wenn mein Kopf wusste, dass meine Pläne nicht besonders gefährlich sein würden, hatte ich doch ein ungutes Gefühl und ein bisschen Angst. Dieses Gefühl hat mich auch nicht mehr verlassen, so dass ich dann zu guter Letzt umgebucht habe. Aber ich finde, das macht nichts. Wir müssen niemandem etwas beweisen. Wichtig ist, dass wir uns, unsere Tiere und auch sonst niemanden in Gefahr bringen und Freude an dem haben, was wir tun.

 

Wenn du nun immer noch ein wenig unsicher bist, ob du wirklich alleine mit deiner Fellnase losziehen sollst oder nicht, habe ich noch einen Tipp: Beginne mit kleinen Ausflügen. Zuerst die Tageswanderung ein einem fremden Ort. Dann gehst du vielleicht noch zum Abschluss des Tages in einem Restaurant zum Essen. Dann planst du irgendwann eine Übernachtung mit ein und dann immer mehr. So habe ich es auch gemacht. Und ich stelle immer wieder fest, dass es – zumindest scheinbar – viel mehr alleinreisende Frauen gibt, als Männer. Vielleicht liegt das auch nur an meiner persönlichen Wahrnehmung in diesen Situationen, aber das ist mir auch egal – ich bin mir auf jeden Fall noch nie wirklich alleine vorgekommen, es waren immer Gleichgesinnte unterwegs, und ich erinnere mich an viele schöne Gespräche, die so entstanden sind.

 

An dieser Stelle fällt mir ein ganz besonderes Erlebnis ein, von dem ich dir gerne noch erzählen möchte. Es war ein Silvesternachmittag, ich war mit den Vorbereitungen für den Abend fertig und bin spontan mit den Hunden losgefahren, um das alte Jahr am höchsten Punkt im Nordschwarzwald, der Hornisgrinde, ausklingen zu lassen. Das Wetter war perfekt, die Straßen waren frei. Es war kalt und im Schwarzwald lag ein bisschen Schnee. Auf dem Spaziergang vom Parkplatz zur Hornisgrinde hat mich eine Frau eingeholt und angesprochen. Wir haben uns sofort richtig gut unterhalten. Sie war ein großer Hundefreund, hat sich sofort in Buddy verliebt und mir von ihrem verstorbenen Pflegehund erzählt. Sogar das Thema Tierkommunikation haben wir gestreift. Es war fast unheimlich, wie gut wir uns verstanden haben. So, als würden wir uns schon lange kennen. Oben angekommen, hatten wir eine fantastische Aussicht bis in die Vogesen und durften einen wirklich atemberaubenden Sonnenuntergang genießen. Nachdem die Sonne untergegangen war, sind wir gemeinsam wieder bis zum Parkplatz spaziert. Wir haben unsere Handynummern ausgetauscht und Fotos vom Sonnenuntergang und von den Hunden hin- und hergeschickt. Es war ein ganz zauberhafter Abend in absolut perfekter Gesellschaft. Wir haben uns seither nie wieder gesehen oder voneinander gehört.

 

Wie du siehst, kann man alleine mit seinen Vierbeinern wunderschöne Erfahrungen machen. Es macht Spaß, gemeinsam mit anderen unterwegs zu sein. Aber die Wanderungen und Reisen, die ich alleine mit meinen Hunden unternehme, sind für mich viel intensiver. Ich bin weniger abgelenkt  und habe mehr Zeit, um die Natur zu genießen.

Deshalb ist meine Meinung: Passieren kann immer etwas. Aber mit der richtigen Vorbereitung, Planung und ein wenig Aufmerksamkeit kann man das Risiko erheblich reduzieren und es gibt keinen Grund, zu Hause zu bleiben.

 

Sobald es draußen wieder wärmer wird und länger hell ist, möchte ich mit den Hunden und dem Tarp losziehen. Welche Abenteur möchtest du unbedingt mit deinem Vierbeiner gemeinsam erleben ?

 

 

 

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