· 

Die Sache mit der Auslastung

Als ich meine erste Hündin vom Tierschutz übernommen habe, hat man mich sehr (also wirklich sehr) bestimmt und mit Nachdruck darauf hingewiesen, dass das so ein intelligenter Hund unbedingt entsprechende Auslastung und Training braucht. Ansonsten wäre es fast unmöglich, diesen Hund zu halten. Das habe ich mir wirklich zu Herzen genommen und war teilweise bis zu 5-mal pro Woche mit ihr auf dem Hundeplatz. Zusätzlich haben wir auf den Gassirunden und zu Hause trainiert.

Das ging dann so weit, dass die arme Maus damit begonnen hat, sich vor lauter Stress sehr häufig zu übergeben. Sie wollte gefallen und mitmachen, aber das war ihr einfach zu viel. Mir übrigens auch. Den Leuten vom Tierschutz konnte man keinen Vorwurf machen. Sie konnten ja nicht ahnen, dass ich ein Mensch bin, der die Dinge sehr ernst nimmt und sich mehr als genau an die Anweisungen hält.

 

Auch wenn man es nicht gleich so übertreiben muss wie ich damals, macht es durchaus Sinn, seinem Hund einen "Job" zu geben. Zumindest wenn man eine der Rassen, die früher als Arbeitshund eingesetzt wurden, seinen Begleiter nennen darf.

Den unterschiedlichen Hunderassen habe ich hier bereits ein paar Zeilen gewidmet:

https://www.tierkommunikation-marion-lakomy.de/welche-hunderasse-passt-zu-mir/

 

Man kann seinen Hund körperlich auslasten. Also durch Bewegung, wie z.B. lange Spaziergänge oder gemeinsame Joggingrunden.

Je nach Rasse und Trainingsstand, sind unsere tierischen Freunde ziemlich ausdauernd. Man muss unter Umständen viele Kilometer zurücklegen, bis sie wirklich müde sind. Der Vorteil daran ist, dass wir Menschen uns gleichzeitig auch körperlich auslasten und unsere Hunde großartige Trainingspartner sind. Viele Hundehalter lassen ihre Fellnasen auch neben dem Fahrrad laufen. Das kann durchaus in Ordnung sein, sofern die Temperaturen nicht zu heiß sind und das Tempo, sowie die Strecke angepasst werden. Wer seinen Hund am Rad mit einer Leine sichert sollte hierzu kein Halsband verwenden sondern ein gut sitzendes Geschirr, da der Zug am Hals zu Kehlkopfverletzungen führen kann. Das Ganze sollte unbedingt langsam geübt und trainiert werden. So dass auch der Hund eine entsprechende Fitness aufbauen kann. Zudem sollte man dem Tier die Zeit geben, sich warmzulaufen. Dadurch sinkt die Verletzungsgefahr erheblich. Wenn man also einige Regeln beachtet, ist gegen eine gemeinsame, hundgerechte Radtour nichts einzuwenden.

 

Dann gibt es noch die Möglichkeit der geistigen Auslastung. Was geistige Auslastung bedeutet, haben viele von uns sicherlich auch schon am eigenen Leib erfahren. Nach einem langen Arbeitstag mit vielen Terminen und Sitzungen ist man so kaputt, dass man sich nur noch auf's Sofa legen möchte. Dabei hat man sich doch so gut wie gar nicht körperlich bewegt. Auch Kopfarbeit macht müde. Uns - und auch unsere Hunde. Dies zu wissen kann wertvoll sein. Denn irgendwann ist der Hund vielleicht krank und darf keine großen Strecken laufen. Wenn eine körperliche Auslastung nicht möglich ist, hilft über kurz oder lang nur noch die Kopfarbeit, um unsere Freunde zufriedenzustellen. 

Was man sich darunter vorstellen kann? Es gibt inzwischen einiges an Intelligenzspielzeug für Hunde zu kaufen. Aber es geht auch einfacher und kostengünstiger. Indem man z.B. kleine Leckerchen in der Wohnung oder im Garten versteckt und diese dann suchen lässt. Die "Nasenarbeit", also das Suchen anhand von Gerüchen ist anstrengend für unsere Freunde. Für den Einsatz in der Wohnung gibt es auch Schnüffelteppiche, in denen man Leckerchen verstecken kann. Man kann sie aber auch draußen im Gras, im Laub oder in einem Holzstapel verstecken. Die meisten Hunde sind hierfür recht schnell zu begeistern. Natürlich gibt es noch unzählige andere Möglichkeiten der geistigen Auslastung. Diese werde ich bei Gelegenheit in einem separaten Artikel aufgreifen.

 

Hundesportarten wie z.B. Agility oder THS (Turnierhundesport) verbinden körperliche und geistige Auslastung. Es gibt wohl kaum einen Vierbeiner, der nach einer solchen Trainingseinheit nicht ruhig und zufrieden in seinem Körbchen schlummert.

 

Wichtig ist auf jeden Fall, dass man sein Tier artgerecht auslastet. So ist es sicherlich nicht ratsam, einen kurznasigen Mops neben dem Fahrrad laufen zu lassen. Generell ist darauf zu achten, dass jeder Hund nur im Rahmen seiner Belastbarkeit trainiert wird. Hier spielen auch Faktoren wie Alter, Gewicht und Gesundheitszustand eine Rolle.

 

Und wieviel Ruhe braucht so ein Hund eigentlich? Das sind tatsächlich bis zu 18 Stunden täglich. Auch das Ruhebedürfnis ist natürlich abhängig von Rasse, Alter und Gesundheitszustand. Diese Zahl ist nicht in Stein gemeißelt. "Ruhen" bedeutet auch nicht unbedingt "Schlafen". Sondern eben Ruhen. Oder auch Chillen. Daliegen und beobachten. Und ab und an den Liegeplatz wechseln. Hunde, die zu wenig Ruhe haben, können krank werden. Sie zeigen häufig Verhaltensweisen, die denen der Unterforderung ähneln. Schlecht ist es, wenn Herrchen und Frauchen diese dann falsch deuten und mit noch mehr Action und Training darauf reagieren. Dieses Wissen ist auch wichtig für Familien, in denen kleine Kinder leben. Hier muss unbedingt darauf geachtet werden, dass der Hund einen Rückzugsort hat, der von den Kindern respektiert wird, um sich auszuruhen.

 

Ein bisschen ist es dann aber auch so, dass man als Hundehalter das Aktivitätsbedürfnis seines tierischen Freundes auch selbst mit beeinflussen kann. Wer seinen Hund von Anfang an darauf trainiert, lange Strecken zu laufen, der braucht sich nicht zu wundern, wenn dieser das dann mit der Zeit auch einfordert. In vielen Fällen ist hier sicherlich dieses Sprichwort passend: Manchmal ist weniger dann halt doch eben mehr.  

 

In diesem Sinne wünsche ich dir viel Freude bei allen gemeinsamen Aktivitäten mit deinem Vierbeiner und hoffe, dass es dir gelingt, eine gute Balance zwischen Ruhe und Aktivität zu finden.

Kommentar schreiben

Kommentare: 0